Island – 5. Tag Fludir – Kerlingarfjöll

Ich muss es jetzt gleich vorneweg nehmen: Island ist einfach toll. Und das sage ich, die ja normal nicht auf kalte Temperaturen steht. Der Tag heute hat gleich zwei Highlights bereitgehalten, die auch beide meine bisherigen Favoriten dieser Reise waren.

Aber von vorne: Frühstück gab es wieder ab 8:00 Uhr und das war heute echt lecker und die Auswahl war auch groß. Somit futterte ich mich quer durchs Buffet: Käse, Tomaten, Gurken, Rührei, Baked Beans, Lachs, Erdbeeren, Kirschen, Skyr, Tee….das beste Frühstück bisher. Heute haben wir es dann auch ausgiebig genossen und kamen deshalb erst gegen 10:00 Uhr auf den Weg.

Das erste Ziel lag in der Nähe des Geysirs und war somit nach ca. 30 km erreicht. Der Gullfoss Wasserfall, der ein sehr beeindruckendes Bild abgab. Die Fotos können die Realität gar nicht richtig wiedergeben. Leider war es sehr bewölkt und kalt und somit war kein Regenbogen zu sehen. Dafür hat einfach die Sonne gefehlt. War aber definitiv einer der schönsten Wasserfälle, die ich bisher gesehen habe. Ein Weg führte direkt zum Wasserfall.

Auf dem weiteren Weg Richtung Wasserfall wäre dann eine Regenjacke angebracht gewesen, leider lag sie im Auto. Die Gischt spritzte hier so hoch, dass man doch etwas nass wurde.

Wie an allen anderen Orten am Golden Circle, waren auch hier wieder jede Menge Menschen unterwegs.

Ein weiterer Weg führte oberhalb des Wasserfalls entlang, so dass man auch nochmal einen Blick von oben draufwerfen konnte.

Und dann ging es wieder abseits der typischen Touristenwege weiter. Die nächste F-Piste stand an, die Kjölur. Hier war aber schon mehr los als auf der Kaldidalur. Wieder ging es 70 km über Schotterpiste nach Kerlingarföll. Die Wolken hingen tief.

In der Ferne tauchte ein Gletscher auf, ich denke, das muss der Hofsjokull gewesen sein.

Und unterwegs sind uns doch glatt Fahrradfahrer begegnet.

Nachdem ich Fotos von Kerlingarfjöll im Internet gesehen hatte, wollte ich dort unbedingt hin und habe die von der Reiseagentur vorgeschlagene Route nochmal abgeändert und dort eine Übernachtung eingeplant. Dafür mussten wir von der Kjölur abfahren und eine ca. 15km lange Seitenpiste fahren. Und der Wettergott war wieder mit uns. Auf der traumhaften Anfahrt dorthin (ich hoffe, das Video mit der Actioncam ist was geworden) riß die Wolkendecke auf und es wurde wieder herrliches Wetter, auch wenn es hier im Hochland doch um einiges kühler war.

Es erwartete uns ein herrliches Camp mit einem Haupthaus mit Duschen und Gemeinschaftsraum und kleinem Restaurant, Campingplatz, kleinen Häuschen (Schlafsackunterkünfte) und einem weiteren Haus mit ein paar Zimmern, in dem wir untergebracht waren. Und ausgerechnet hier im Hochland, wo es niemand erwartet, haben wir ein schönes Zimmer mit eigener Dusche und WC vorgefunden. Bisher hatten wir ja nur Etagendusche und WC. Auf jeden Fall ist Kerlingarfjöll ein herrliches Fleckchen Erde.

Wir machten wir uns dann auch gleich auf den Weg zur geplanten Wanderung. Dafür ging es direkt hinter den Hütten mal ziemlich steil bergauf. Weiter ging der Weg durch Lavafelder, aber in der Ferne waren die herrlichen Rhyolithberge, Gletscher, Eisfelder und weitere tolle Landschaft zu sehen. Immer wieder ging es steil bergauf und bergab immer tiefer in die Berge hinein. Ich hatte mich für Daunenjacke und Mütze entschieden, was sich aber als Fehler herausstellte. Der Wind blies heftig. Er blies durch die Jacke und Mütze durch, andererseits fing ich unter der Jacke an zu schwitzen. Nicht winddicht und nicht atmungsaktiv war keine so gute Wahl, so dass ich unterwegs einen Jackenwechsel hin zur Hardshelljacke vornahm, was sich als die bessere Alternative rausstellte.

Aber jetzt lasse ich die Fotos einfach mal für sich sprechen, auch wenn diese natürlich nie die Wirklichkeit wiedergeben können. Eins noch: Hier waren außer uns nur sehr wenige andere Leute unterwegs, wir waren also quasi völlig alleine in dieser unendlichen Weite. Und wieder diese fast unheimliche Stille. Ich habe mehrmals innegehalten, einfach die Augen geschlossen und die Ruhe genossen.

Ja und dann kamen wir irgendwann an einem Schneefeld an und wussten nicht, ob wir jetzt dort hinüber müssen oder nicht, eine richtige Wanderbeschreibung hatten wir nicht. Wir überlegten schon umzudrehen, aber schließlich entdeckten wir doch andere Fußspuren und wagten uns hinüber. Und welch ein Glück, dass wir das getan haben, das Highlight der Wanderung stand nämlich erst noch bevor. Schließlich öffnete sich vor uns eine große Ebene mit Rhyolithbergen ringsum, die in allen möglich Farben leuchteten. Und kurz später kamen wir zum Geothermalgebiet. Hier brodelte und dampfte es an allen Ecken und Enden uns es leuchtete in allen möglichen Farben. Das war mal wieder eine Landschaft mit absolutem Wow-Effekt und einfach wieder magisch. Für mich persönlich bisher das Highlight der Reise.

Ich muss Euch jetzt aber leider vorerst enttäuschen. Der Handyakku hat am Schneefeld den Geist aufgegeben, so dass ich für den Blog vorerst keine Fotos zur Verfügung habe. Wer mich kennt, weiß dass ich natürlich mit 2 weiteren Kameras bewaffnet war und nicht ohne Fotos dieses tollen Ortes nach Hause fahre. Diese kann ich dann aber erst zuhause einstellen, weil ich das benötigte Equipment nicht dabei habe.

Gerne wären wir noch weiter in diese herrliche Landschaft eingetaucht. Der offizielle Wanderweg wäre noch 1-2 km weiter gegangen. Da es aber schon recht spät am Tag war und für den Abend Regen angesagt war, den wir in der Ferne auch schon kommen sahen, entschlossen wir uns doch zum Umdrehen. Der Wind blies weiter heftig. Auf dem gleichen Weg ging es wieder zurück und gegen 20 Uhr waren wir zurück in der Unterkunft. Die Wanderung war ca. 9 km lang, mit ca. 550 Höhenmetern hoch, wie runter. Es waren aber ein paar ziemlich steile Auf- und Abstiege dabei. Aber die Mühen wurden ja belohnt. Dann schnell unter die Dusche zum Aufwärmen.

Danach ging es dann richtig an zu winden und der Regen kam. Nach den Strapazen hatten wir uns dann noch ein richtiges Abendessen verdient. Ich habe mir Lachs mit Kartoffeln und Salat gegönnt. Wasser gibt es übrigens immer kostenlos. Eine Dose Bier? Da ist man wieder mit rund 10 Euro dabei….insgesamt waren wir dann wieder 8000 ISK los.

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