Lofoten – 06.07.2018 – 11. Tag: Fahrt mit den Hurtigruten in den Trollfjord

Das war eine kurze Nacht, nachdem wir erst um 3:00 Uhr im Bett waren und um 7:00 Uhr schon wieder der Wecker klingelte. Aber wir quälten uns erst gegen 7:30 Uhr aus dem Bett. Ich fühlte mich, wie einmal durch den Fleischwolf gedreht. Nach einer Dusche und dem Frühstück war es kurzfristig besser, der nächste Tiefpunkt kam aber schnell wieder. Um 9:10 Uhr war auf jeden Fall Treffpunkt. Wieder einmal mussten wir erst den Kilometer zur Bushaltestelle zu Fuß zurücklegen. Dann begann eine längere Busfahrt , um dann mit der Fähre nach Melbu auf den Vesteralen überzusetzen. Im Bus hatten wir zum Glück noch einen Sitzplatz erwischt, kurz später war nämlich voll und es gab nur noch Stehplätze. Unterwegs bin ich kurz eingeschlafen und wurde bei der Ankunft an der Fähre dann jäh geweckt. Die Autofähre erreichten wir nur, da die Busfahrerin angerufen hatte, dass sie auf uns warten sollen, sie mächtig aufs Gas drückte und dann sogar geblitzt wurde und die Polizei sie trotzdem weiter gewunken hat.

Kaum waren wir an Bord, schlossen sich auch schon die Tore und los ging es. Wir machten es uns bequem und tranken erst mal einen Kaffee. Nach rund einer halben Stunde kamen wir aber schon in Melbu an und mussten hier in den Bus nach Sortland umsteigen. Dieser brachte uns nach Stokmarknes. Hier hatten wir zwei Stunden Aufenthalt. Wir schlenderten die Straße entlang und landeten schließlich fast alle im Sportgeschäft. Vier wackere Mitreisende machten sich mit dem Guide noch auf den Weg zu einer kurzen Wanderung.

Im Sportladen ergatterten wir neue Merinoshirts und gingen dann ins Hurtigruten-Museum. Einige andere hatten sich ins Café verzogen. Das Museum kostete 100 NOK Eintritt pro Person, also rund 10 Euro. Das Museum war ganz interessant und es gab auch einen Film über die Geschichte der Hurtigruten.

Hier wird momentan auch die MS Finnmarken auf Vordermann gebracht, ein ehemaliges Hurtigruten-Schiff, dass jetzt zum Museumsschiff umgebaut wird. Dieses konnte man von innen besichtigen.

Um 14:00 Uhr trafen wir uns dann wieder und Ihr könnt Euch wahrscheinlich denken, was dann auf dem Programm stand. Natürlich eine Fahrt mit den Hurtigruten. Der Tag heute galt offiziell wieder als freier Tag, aber unser Guide hatte auf Wunsch der Gruppe diesen Ausflug organisiert. Somit war er allerdings auch nicht im Reisepreis enthalten. Üblicherweise wurde bei anderen Touren eher eine Bootstour ab Svolvær in den Trollfjord mit Vogelbeobachtungssafari gemacht, wir entschieden uns aber für die Hurtigruten-Variante, da diese zum einen billiger ist und zum anderen diese Ausflugsboote inzwischen völlig überfüllt sind. Der Kostenpunkt lag bei ca. 40 Euro für die eine Etappe.

Heute war die MS Lofoten am Start, das älteste noch betriebene Schiff der Hurtigruten, erbaut 1964, und das Schwesterschiff der MS Finnmarken, die wir eben im Museum besichtigt hatten. Was ich vorher auch nicht wusste ist, dass man die Schiffe, wenn sie an Land liegen, kostenlos betreten darf. Vor Abfahrt muss man das Schiff natürlich wieder verlassen.

Kurz nach 14:00 Uhr tauchte dann die MS Lofoten am Horizont auf, konnte aber noch nicht anlegen, da gerade noch ein großes Container-Schiff beladen wurde.

Gegen 15:00 Uhr konnte sie dann doch anlegen, die Weiterfahrt war für 15:30 Uhr geplant. Wir hatten uns so früh getroffen, da wir keine Tickets gebucht hatten und so auf das Schiff sind. Somit standen wir ganz am Anfang der Reihe (auch wenn andere Leute es sich wieder nicht verkneifen konnten, an der Schlange vorbeizulaufen und sich vorne hinzustellen).

Bezahlt wird übrigens auf dem Schiff. So liefen wir dann aus dem Hafen aus. Der Himmel war wolkenverhangen und es blies ein kühles Lüftchen.

Wir versuchten ein freies Plätzchen im Salon zu finden, das meiste war aber schon belegt. Bei den zwei Plätzen, die wir noch ergattern wollten, beschwerten sich zwei ältere Herren, da der eine Platz direkt vor dem Fernseher war und sie gleich Fussball schauen wollten und die Stühle waren im Boden verankert. So gingen wir dann erst mal an Deck und versuchten unser Glück dann kurz später im Café. Dort trafen wir auf ein paar Personen unserer Reisegruppe, die etwas zusammenrückten. Wir tranken einen Kakao und aßen einen Käsekuchen, der aber ziemlich süß war. Die Preise waren vergleichbar mit norwegischen Cafés, waren also nicht überteuert. Kurz bevor wir in den Raftsund einbogen gingen wir wieder an Deck und dort wurde es auch langsam voller.

Nun hatten wir also wieder die Bergwelt der Lofoten rund um uns rum.

Unterwegs stiegen einige Passagiere bei voller Fahrt auf ein anderes Boot um eine Seevogelsafari zu machen. Und dann näherten wir uns langsam dem Trollfjord. Das Deck wurde immer voller und so habe ich die bekannte Einfahrt in den Fjord in der letzten Fernsehsendung dann doch besser sehen können als in der Realität. Ich hatte auch keine Lust mich ins Getümmel zu stürzen. Aber pünktlich zur Einfahrt in den Fjord riss der Himmel auf und die Sonne kam heraus.

Da die MS Lofoten nicht allzu groß ist, hatte sie mit dem Wenden im engen Fjord nicht so viele Probleme wie die großen Kreuzfahrtschiffe.

Wir bekamen noch ein paar Seeadler und weitere Wasservögel zu sehen, die von den kleinen Booten, die die Seevogelsafari durchgeführt haben, angelockt wurden. Kaum waren wir am Trollfjord vorbei, war das Deck dann auch wieder leer.

Allerdings wehte kurz später auch wieder eine steife Brise, so dass wir uns auch wieder ins Innere verzogen. Dort trafen wir wieder auf Teile unserer Reisegruppe und gesellten uns zu ihnen. Hier konnten wir uns aufwärmen und konnten immer mal wieder einen Blick aus dem Fenster erhaschen.

Gegen 18:30 Uhr legten wir dann in Svolvær an und haben leider unseren Bus verpasst, da das Schiff nicht ganz pünktlich war. Zuerst hieß es: Taxi oder Laufen. Auf den Bus eine Stunde später sollte nicht gewartet werden. Es konnte dann ein Taxi für 16 Personen organisiert werden, noch ein normales Taxi dazu und dann konnten wir fast zum normalen Buspreis zurückfahren. Haben uns aber auch an der Bushaltestelle rausschmeißen lassen, um den Preis etwas zu drücken.

Das Abendessen war heute für 20:00 Uhr bestellt. Als Vorspeise gab es Fisch und als Hauptgericht auch 😉. Dazu heute mal Kartoffelbrei und Erbsen und Möhren.

Wir schauten noch die letzten zehn Minuten vom Spiel Brasilien – Belgien und verzogen uns dann aufs Zimmer. Nach der kurzen Nacht gestern ist heute mal früher Schlafen angesagt.

Fazit des heutigen Tages: Es war ein toller Tag, aber eine ganze Woche wollte ich nicht auf den Hurtigruten verbringen, was wir vorher doch mal ins Auge gefasst hatten. Aber auf dem Schiff war schnell klar, dass das nichts für uns ist. War dann doch ein bisschen Rentnertreff und mir auch zu voll. Außerdem finde ich es dann doch interessanter auf den Bergen oben gewesen zu sein, als sie mir von unten anzugucken. Für einen Tag aber absolut empfehlenswert.

Lofoten – 05.07.2018 – 10. Tag: Wanderung auf den Festvagtinden und Mitternachtswanderung auf den Hoven

Heute war um 09:50 Uhr Treffpunkt. Also erschienen wir mal erst um 09:00 Uhr zum Frühstück, da waren fast alle anderen schon fertig. So marschierten wir dann wieder den Kilometer zur Bushaltestelle. Der Bus hatte etwas Verspätung. Unterwegs mussten wir nochmal umsteigen und erreichten nach relativ kurzer Zeit Henningsvær. Der Busfahrer ließ uns aber schon am Einstiegspunkt der Wanderung aussteigen. Ziel war der Festvagtinden, von dem man einen tollen Blick auf Henningsvær hat.

Der steile Anstieg war direkt schon von der Straße aus ersichtlich. Und es ging direkt steil los. Erst über ein Geröllfeld, dann über steile Wege nach oben. Die meisten unserer Gruppe gingen links am Geröllfeld vorbei, ein paar andere und ich entschieden uns für den rechten Weg (der von meinem Reiseführer empfohlen wurde). Es war wirklich steil. Irgendwann löste sich dann ein bisschen oberhalb von mir ein ca. 10 cm großer Stein, flog durch die Luft und landete direkt an meinem Schienbein. Aua. Naja, besser als am Kopf.

Alle anderen waren dann erst mal weg und ich suchte alleine meinen Weg. Nach einer Stunde Aufstieg kam ich am angekündigten See an, an dem ich dann auch wieder auf alle anderen traf.

Wir liefen zum Felsüberhang und hier hatte man die ersten Blicke auf Henningsvær. Hier legten wir eine erste Pause ein.

Hier konnte jetzt jeder entscheiden, ob er hier bleibt und die Sonne genießt oder den dann noch steileren weiteren Anstieg angeht. Das Wetter war uns heute auf jeden Fall wieder hold und wir hatten bis zu 19 Grad und strahlend blauen Himmel.

Der Anstieg sah von unten extrem steil aus, aber da ich gerade erst eingelaufen war, wagte ich mich an den Aufstieg. Fünf Personen blieben zurück.

Ich hechelte mal wieder allen anderen hinterher. Aber man will ja auch die Ausblicke genießen, die Kondition könnte allerdings trotzdem besser sein. Der Ausblick auf Henningsvær begleitete uns weiter. Irgendwann hatten wir dann die Bergkuppe erreicht und ein weiterer toller Blick breitete sich vor uns aus.

Noch ein kurzer letzter Anstieg…

…und wir kamen nach nicht ganz zwei Stunden auf eine etwas größere Plattform. Lt. unserem Guide findet hier einmal im Jahr ein Konzert statt. Alles wird per Helikopter nach oben transportiert und die Menschen pilgern in Massen nach oben. Wäre bestimmt ein Erlebnis.

Auf jeden Fall hatten wir es dann geschafft. Auf nur 3 km Weg haben wir 540 Höhenmeter überwunden, dann könnt Ihr Euch vorstellen, wie steil es war. Das ganze in nicht ganz zwei Stunden. Die Bergspitze war nicht unbedingt was für Leute mit Höhenangst. Hier hatten wir dann erst mal Rast und spektakuläre Ausblicke.

Nach einem schönen Aufenthalt ging es dann wieder bergab.

Mit dem Abstieg tat ich mich wieder schwer, auch wenn es besser klappte als die letzten Tage. Auf jeden Fall kam ich wieder als letzte an, unser Guide blieb aber netterweise bei mir, was an der ein oder anderen Stelle schon hilfreich war.

Nach 2 Stunden Abstieg kam ich dann wieder stolz unten an…

…und dann mussten wir noch ca. einen Kilometer die Straße entlang laufen, um nach Henningsvær zu kommen.

Wir liefen durch den Ort zum Hafen. Nettes beschauliches Städtchen. Hier hat es mir gefallen.

Danach war natürlich wieder Café angesagt. Ich entschied mich aber für eine Limo und einen glutenfreien Kuchen. Ein deutsches Pärchen saß mit am Tisch und wir unterhielten uns ein wenig. Dann ging es mit dem öffentlichen Bus wieder zurück.

Nach dem Duschen gab es wie immer gegen 19:00 Uhr Abendessen. Ganz magerer Schweinebraten, Kartoffeln, Salat und Kohl mit Äpfeln.

Hinterher war Zeit vertreiben angesagt, denn um 22:45 Uhr war wieder Treffpunkt für die Nachtwanderung. Kurz vorher hatte aber noch das Busunternehmen die Fahrt abgesagt, aber unser Guide hatte auf die Schnelle noch zwei 9er-Busse als Mietwagen organisieren können. Brauchten wir nur noch nen zweiten Fahrer. Björn erklärte sich dazu bereit. Die Wagen mussten aber schon um 20:30 Uhr in Svolvær abgeholt werden.

Nach ca. 40 Minuten Fahrt kamen wir gegen 23:30 Uhr an unserem Ziel dem Hoven an. Unterwegs war der Himmel schon schön eingefärbt. Mit gut 350 m erhob er sich vor uns. Und was sich im Reiseführer noch als Spaziergang angehört hatte, entpuppte sich dann doch wieder als stramme Wanderung mit einigen Aufstiegen und holprigen Pfaden. Der Himmel war herrlich eingefärbt.

Immer weiter ging es nach oben, bis und dann am Ende nochmal ein steiler Anstieg erwartete, der von der Steilheit fast mit heute morgen mithalten konnte. Um diese Uhrzeit hätte ich das nicht mehr gebraucht. Gegen 0:15 Uhr hatte ich es dann aber geschafft. Der Himmel hatte schöne Farben, aber unser Ziel, die Mitternachtssonne zu sehen, wurde aber nicht erreicht, weil die Sonne nicht mehr bis unter die Wolkendecke gesunken ist. Und hier oben wurden wir von Stechmücken gepiesackt. Ich hab mehrere Stiche abbekommen.

Wir machten uns dann wieder an den Abstieg, der doch etwas leichter war als bei den anderen Wanderungen.

Von unten hatten wir dann nochmal einen Blick nach oben.

Jetzt ist es 2:40 Uhr, schnell ab ins Bett. Aber irgendwie bezweifel ich, dass ich schlafen kann….