Sizilien (29.8.-13.9.2018) -Highlight 7: Aufstieg zum Stromboli

Heute stand es an, das Highlight unserer Reise: Der Aufstieg auf den Stromboli. Ein nächtlicher Blick in den mehrmals pro Stunde Feuer speienden Krater, gehört wahrscheinlich zu den faszinierendsten Erlebnissen, die auf Reisen innerhalb Europas möglich sind. Der Gipfel des Stromboli darf nur mit autorisierten Vulkanführern bestiegen werden. Ab der 400m Grenze stehen überall Schilder, dass der weitere Aufstieg alleine nicht erlaubt ist. Somit hatte ich den Trip schon 2 Monate vor der Reise bei Magmatrek gebucht, zumal dieser Anbieter unweit unserer Unterkunft war.

Die Buchung wurde auch gleich bestätigt, allerdings mit dem Hinweis, dass man eine Woche vor dem Termin die Buchung bestätigen muss, da diese sonst verfällt.

Außerdem wurde wir informiert, dass wir folgendes Equipment benötigen:

-Wanderschuhe (keine Sneakers)

– eine Taschenlampe

– ein Tshirt zum Wechseln

– eine Fleecejacke

– eine Windjacke

– Wasser

– Essen

– Rucksack

– ggf. sind Wanderstöcke hilfreich

Ggf. hätte es auch die Möglichkeit gegen bei http://www.totemtrekkingstromboli.com Wanderschuhe und weiteres Equipment zu leihen. Aber in eigenen Schuhen läuft es sich ja doch besser.

Treffpunkt war um 16:15 Uhr an der Kirche, wo wir noch mit Helmen ausgestattet wurden und bezahlen mussten. 28 Euro pro Person. Um 16:30 Uhr ging es dann los, bei über 30 Grad, puh. 924 m mussten heute überwunden werden.

Der Aufstieg beginnt hinter der Kirche von San Vicenzo. Ab 100 m Höhe beginnt ein steilerer Fusspfad. Unterwegs hat man erste schöne Blicke auf Strombolicchio.

Am ersten Schattenplatz legte der Guide eine Pause ein, stellte sich kurz vor und erzählte uns schon einiges über den Stromboli. Weiter ging es vorbei am alten Friedhof. Pausen erfolgten ca. jede halbe Stunde. Die Sonne knallte, ich war schnell völlig durchnässt und mein Rucksack machte mir auch wieder zu schaffen. Dichte Vegetation begleitete unseren Weg bis auf 500 m Höhe. Hier war ich schon völlig geschafft und der Guide fragte mich, ob alles ok ist. War es natürlich nicht, aber ich hatte ja monatelang auf den Stromboli hingefiebert, da wollte ich doch jetzt nicht aufgeben. Eiserner Wille war also gefragt. Irgendwie scheint aber außer mir niemand Probleme gehabt zu haben. Das sollte mir zu denken geben.

500 m Seehöhe ist auch der Punkt, bis zu dem einen die Guides alleine zurückgehen lassen würden. Nach der Pause ging es bei mir wieder. Es folgte eine Quertraverse überein Aschefeld, dann wurde der Liscione-Grat erreicht. Ab hier geht es dann richtig steil bergan, der anstrengendste Abschnitt. Der Weg ging irgendwann in Lavaasche über, das erinnerte mich dann stark an die Dünen in Namibia: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Und wenn man zurücksah: Der ganze Weg voller Menschen.

Dann war bald der erste Blick auf die Krater in der Abenddämmerung möglich und weckte neue Kräfte.

Sogleich stieg eine hohe Rauchwolke auf, im Hintergrund der Sonnenuntergang (Foto folgt).

Dann war es nicht mehr weit zum Gipfelgrat. Bei einer kurzen Pause wurden die verschwitzten Tshirts gewechselt und nun mussten die Helme aufgesetzt werden. Vor lauter Umziehen habe ich dann auch gleich den ersten Ausbruch verpasst.

Wir wurden darauf hingewiesen, ab nun nur noch hintereinander zu laufen und auch am Grat nicht hintereinander zu stehen, sondern nur nebeneinander. So absolvierten wir den letzten kurzen Anstieg und dann lag sie direkt ca. 150 m unter uns, die Kraterterrasse mit den Öffnungen des Vulkans. Überall rauchte und brodelte es.

Und dann: Woooouuuumm! Glühende Lavafontänen erhoben sich hoch in den Nachthimmel. Der Ablauf einer Eruption ist meistens gleich: Zuerst ein allmählich einsetzendes Fauchen, dann tiefes Donnern, wie aus dem Mittelpunkt der Erde, Dampf steigt aus dem Krater auf, purpurne Lavafontänen steigen in den Himmel auf und werden zu Sprühregen. Sekundenlang scheint die Luft zu brennen. Ein Urerlebnis. Die Aschewolke steigt anschließend hoch empor und wird vom Wind abgetrieben. (Fotos und Videos folgen).

Ein unglaublich faszinierendes Erlebnis diesen Naturgewalten beizuwohnen. Das jagt einem schon eine Gänsehaut über den Rücken. Ca. eine Stunde durften wir hier am Krater verbringen. Dann warteten schon wieder weitere Gruppen. Die Personenanzahl am Gipfelgrat ist auf höchstens eine Stunde und höchstens 80 Personen gleichzeitig beschränkt. Aus meiner Sicht hatten wir großes Glück, ca. fünf große Eruptionen erleben zu dürfen. Das ist nicht immer so.

Der Rückweg erfolgt über eine andere Route als der Hinweg. Er verläuft über ein Aschefeld und fast senkrecht den Berg hinunter. Er ist deutlich kürzer als der Aufstieg. Vor dem Abstieg wurde uns noch eine Atemschutzmaske ausgeteilt, was bei der aufwirbelnden Asche und Vulkanstaub auch dringend nötig war. Der Abstieg wurde mehr ein Springen im Laufschritt, was mir mehr als recht war, da meine Knie immer noch Lofoten-geschädigt waren. In dem weichen Untergrund hatte ich so keine Probleme. Natürlich war in der Dunkelheit die Taschenlampe nötig. 400 m abwärts wurden schnell überwunden. Beim Zurückblicken sah man dann wieder weitere Gruppen wie Raupen den Berg hinunterkriechen. Wie Lichterketten am Berg. Der Weg geht später in Schilfdickicht über. Ich hatte das Gefühl, dass der Ort gar nicht näher kommen will. Aber nach drei Stunden Aufstieg und zwei Stunden Abstieg hatten wir es dann gegen 22 Uhr geschafft. Die Helme wurden abgegeben und wir gönnten uns noch ein kaltes Getränk und ein Dessert auf einer schönen Terrasse in einem Restaurant.

Ein toller, wenn auch anstrengender, Tag.